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Simon Winkelmann: 58 Jahre Engagement mit Herz im 1. Mannheimer Judo-Club

Simon war in seiner Zeit beim 1. Mannheimer Judo-Club sehr präsent, die meisten kannten ihn und das über Generationen. Über 58 Jahre war er Mitglied im Verein und war sehr viele Jahre davon äußerst engagiert im Verein. Auch sportlich machte er sich sehr verdient – um das Judo, um das Ju-Jutsu und um den Sport in Mannheim und Baden generell.

Anfang im Judo

Simon Friedrich Winkelmann, geboren am 22. Februar 1940, war bereits in den 1960ern aktiv in Mannheim als Jugendleiter im Jugendferienwerk. Dort lernte er jemanden kennen, der damals im 1. MJC Judo trainierte und den Grüngurt trug. Simon hatte damals noch keine Vorstellung von Judo, Kampfsport oder Selbstverteidigung. Aber jener Bekannter überzeugte ihn, einmal ins Training zu kommen, ins Training vom 1. MJC! Damals fand das Training noch in der Sporthalle der U-Schule in den U-Quadraten statt. Hier mussten die Matten noch auf- und abgebaut werden, Festzurren mit Planen inklusive. Somit wurde verhindert, dass die Matten in der größeren Sporthalle wegrutschen konnten. Dass Simon sich damals für den 1. MJC entschied, war ein Glücksfall; in dieser Zeit waren (kommerzielle) Judo-Schulen der Standard. Das Judo-Training im 1. MJC fand ein Mal die Woche statt, in der gleichen Halle wurde wenig getrennt vom Judo auch Karate betrieben. Simon legte bereits im Dezember 1967 seine Prüfung zum Gelbgurt ab. Seine ersten Prüfer hießen Harsch und Kalthoff, damals beide 1. Dan Judo. Die folgenden Prüfungen, je mit einem halben Jahr Vorbereitungszeit, bestand Simon ebenfalls erfolgreich. Bereits zu Weihnachten 1969 trug er den Braungurt, geprüft von Löb (3. Dan) und Schwan (2. Dan). Zum Meister wurde Simon am 3. Juli 1971, wo er erfolgreich seine Prüfung zum 1. Dan Judo bestand. Die Prüfer hießen Riedel (3. Dan), Löb (3. Dan) und Schulmeister (2. Dan).

Trainer und Kampfrichter

Mit dem Erreichen des 1. Dan fungierte Simon auch als Trainer und machte seine Lizenz zum Kampfrichter. Im Judo-Wettkampfbereich war er Nachfolger von Willy Lange vom PSV als Listenführer und Urkundenschreiber. Parallel hierzu war Simon Prüfungsreferent im Kreis Mannheim und vertrat die Sportart Judo jahrelang im Sportkreis Mannheim. Der 1. MJC verlagerte dann Ende der 1960er seine Trainingsstätte in den Kaisergarten in der Neckarstadt-West. Die Mitglieder trainierten dort dann jeden Werktag, mussten aber immer noch die Matten auf- und abbauen. Deshalb zog der 1. MJC dann 1975 in sein nächstes Domizil in der Käfertalerstraße, dort durften die Matten liegenbleiben, ein Luxus, der im Verein nun seit 2007 auch im ersten eigenen Dojo im Pfeifferswörth glücklicherweise anhält. Simon absolvierte sein Referendariat als Biologielehrer in der Carl-Benz-Schule (damals in C 6, gegenüber des Rathauses), wo Norbert Mahninger und Willi Prümmer in derselben Klasse waren. Simon begeisterte die beiden, die mit Judo anfingen. Willi sollte dann Jugendleiter und Norbert Trainer und später Vorsitzender werden.

Ju-Jutsu-Gründer

Über einen Gasttrainer aus Karlsruhe, der in der U-Schule in Mannheim einen Schnupperkurs in Selbstverteidigung abhielt, kam Simon zu der neuen Sportart „Ju-Jutsu“. Zusammen mit Norbert Mahninger, Renate Kristkeitz, Karlheinz Weickardt und Brigitte Lux wurde 1972 die Ju-Jutsu-Abteilung gegründet, noch zu Zeiten des Kaisergartens. Simon trug schon den Braungurt, da er aufgrund seines Judo-Dans ein Stück weit durchgeprüft werden konnte. Kurz nach der Abteilungsgründung legte Simon am 16. Dezember 1972 unter den Augen der Prüfer Riedel, Lamade und Kopp (alle 2. Dan) erfolgreich seine Prüfung zum 1. Dan Ju-Jutsu ab. Als Danträger leitete Simon jahrelang das Training und blieb dem Ju-Jutsu immer verbunden.

Presse und Ehrenamt

Während der 1. MJC seine Trainingsstätte im Kaisergarten hatte, war Simon auch Pressewart des Vereins. Zudem fungierte er als Pressewart für die nordbadische Abteilung im Judo. Unter Wolfgang Welz wurde Simon Verbandspressewart für ganz Baden, bis Baden mit Württemberg zusammengelegt wurde. Oft versorgte er die Rhein-Neckar-Zeitung und auch den Mannheimer Morgen mit Bildern und Artikeln von Turnieren: Kreis-/Bezirksmeisterschaften und Landesmeisterschaften (mit Württemberg zusammen). Die Bilder entwickelte er selbst, die Artikel wurden auf der Schreibmaschine geschrieben und alles zusammen sonntags zur Redaktion gefahren und abgegeben. Auch mit dem Fernsehen organisierte er zahlreiche Ereignisse, wie etwa die Verleihung des 6. Dan Judo an Artur Schnabel (u.a. Bronze Olympia 1984). Neben seiner Pressearbeit prägte Simon auch das Auftreten des 1. MJC bis heute: Er entwarf das heutige Vereinslogo. Zuvor zeigte das Vereinslogo die Abkürzung „1. MJC“. Simon kreierte die Blüte mit dem ausgeschriebenen Vereinsnamen.

Simon war immer der Helfer in der Not, egal ob es das jahrzehntelange Organisieren des Wolfgang-Welz-Gedächtnisturniers war oder der Jugend-Austausch mit Vichy vorbereitet und durchgeführt werden sollte. Auf Simon konnte man sich immer verlassen. Simon agierte früh als „Ersatzvorstand“ für ein halbes Jahr, etwa nach der Zeit der sich abwechselnden 1. Vorsitzenden Wolfgang Welz und Günter Okon. Ab 1981 bis 1991 stellte sich Simon als 2. Vorsitzender zur Verfügung und wurde anschließend bis 2009 1. Vorsitzender des 1. MJC. Auf der Mitgliederversammlung 2009 wählten ihn die dankbaren Mitglieder zum Ehrenpräsidenten.

Engagierter Sportler

Simon engagierte sich neben seinen zahlreichen Ämtern auch als lizenzierter Übungsleiter im Training und half, wo er konnte. An vielen Wochenenden fuhr er als Betreuer mit Mitgliedern auf Wettkämpfe und Meisterschaften, nebenbei absolvierte er weitere Judo-Prüfungen. Für seine Verdienste um das Judo wurden ihm Ehrengraduierungen bis zum 5. Dan Judo verliehen! Zusammen mit Norbert leitete Simon auch die Vereinstrainerausbildung im Badischen Judo-Verband. Neben Judo und Ju-Jutsu schnupperte er auch immer wieder in andere Budosportarten, zum Beispiel Karate. Später führte er Senioren-Selbstverteidigungskurse durch. Zusammen mit Norbert gründete er die Judo-Freizeitgruppe, die kürzlich ihr vierzigjähriges Bestehen feierte!

Momente, die bleiben

Bei Feiern war Simon auch immer dabei, vor allem als Saxophonist, der er leidenschaftlich war. Der 1. MJC hatte damals tatsächlich ein eigenes Vereinsquartett, die „Black-Belts“ (wie der Name schon andeutet, alles Danträger). Die Besetzung war mit Saxophon, Bassgitarre, Klavier und Schlagzeug außergewöhnlich für die damalige Zeit, wobei das Klavier öfters durch eine tragbare Orgel – mit 4 Mann – ersetzt wurde. Als Quartett heizten die vier Musiker das ein oder andere Mal den anderen Mitgliedern und Gästen bei Vereinsfeiern oder nach Turnieren ein; geprobt wurde privat. Dass Simon bei den Jubiläumsfeiern 70 Jahre 1. MJC und 50 Jahre Ju-Jutsu-Abteilung dabei war, versteht sich von selbst. Als Ehrenvorsitzender und aufgrund seiner Leistungen sowieso Ehrengast feierte er mit den jungen und jüngeren Mitgliedern, ja feierte dies, was ohne ihn nicht das geworden wäre, was es heute ist.

Danke Simon

Tatsächlich kann man in unserem Verein über sehr Vieles sagen: Wäre Simon nicht dabei gewesen, wäre es nicht das, was es heute ist. Mit Simon ist eine der prägenden Figuren unseres Vereins von uns gegangen. Der Verein und der Budosport in Baden verlieren mit ihm ein langjähriges Mitglied, einen ausgezeichneten Trainer, Mentor, Ratgeber, Sportkamerad, Ehrenvorsitzenden, engagierten Macher und vor allem Freund. Die meisten Informationen in diesem Artikel stammen aus einem Interview, dass ich mit Simon im Februar diesen Jahres führen konnte. Er erzählte präzise und wusste auch aus den Anfangsjahren unglaublich viele Details. Er war ein äußerst angenehmer Gesprächspartner. Für dieses Interview möchte ich Simon von Herzen danken.

Im Namen des Gesamtvereins

Lars Geigenmüller